Arbeitsgericht Berlin: Profifußballer sind keine „normalen“ Arbeitnehmer

Für manchen mag es überraschend klingen, aber es ist tatsächlich so. Auch die gut bezahlten Profifußballer gelten als Arbeitnehmer. Deshalb fechten Verein und Spieler Streitigkeiten ebenso vor dem Arbeitsgericht aus, wie andere Arbeitnehmer und Arbeitgeber auch. So auch in dem nachfolgend geschilderten Fall aus Berlin.

Der Spieler wurde von der Bundesligamannschaft in die zweite Mannschaft abgeschoben. Das fand er nicht in Ordnung und zog im Eilverfahren vor das Arbeitsgericht Berlin. Das aber wies seinen Antrag zurück. Nach Auffassung der Berliner Richter ist ein Profifußballer verpflichtet, auch an Spielen oder am Training der zweiten Mannschaft teilzunehmen und muss einer entsprechenden Weisung nachkommen (Beschluss vom 17. Februar 2014 38 Ga 2145/14).

Der Spieler ist bei dem Erstligaverein seit 2012 beschäftigt. Der Arbeitsvertrag ist befristet bis zum 30. Juni 2015 und gilt nur für die 1. und 2. Liga. Nach dem Vertrag ist der Spieler verpflichtet, „an jedem Training teilzunehmen“. Ferner heißt es wörtlich weiter: „Der Spieler ist bei entsprechender Anweisung auch verpflichtet, an Spielen oder am Training der zweiten Mannschaft des Clubs teilzunehmen, falls diese in Oberliga oder einer höheren Spielklasse spielt“. Die zweite Mannschaft des Vereins spielt in der Regionalliga Nordost.

Das Gericht verneinte einen Rechtsanspruch des Spielers auf Teilnahme am Training der ersten Mannschaft. Zwar sei der Arbeitsvertrag nur für die erste oder zweite Liga gültig. Das bedeute aber nicht, dass der Verein nicht mehr nach sportlichen Gesichtspunkten entscheiden dürfe, ob und wie er den Spieler einsetze. Die von den Arbeitsvertragsparteien getroffene Regelung zum Training sei wirksam und damit auch für den Profifußballer bindend.

Dabei sahen es die Berliner Richter als maßgeblich an, dass ein Profifußballer nicht in gleicher Weise schutzbedürftig sei, wie ein “normaler“ Arbeitnehmer. Denn Profifußballspieler seien tatsächlich in der Lage, auf die Vertragsbedingungen Einfluss zu nehmen. Zudem wisse jeder Profifußballspieler, dass der Verein allein nach sportlichen Gesichtspunkten, und nicht aufgrund abstrakter rechtlicher Erwägungen darüber entscheiden will, ob und wie er die Spieler einsetze. Jeder Profifußballer müsse von daher damit rechnen, gegebenenfalls auch in der zweiten Mannschaft eingesetzt zu werden. Dieses Risiko gehe der Fußballspieler mit dem Vertragsabschluss freiwillig ein. Dafür erhalte er im Übrigen eine weit über dem Durchschnitt liegende Vergütung.

Ganz anders dagegen fiel in einem ähnlich gelagerten Fall die Entscheidung des Arbeitsgericht Münster aus (Beschluss vom 20. August 2009, Az.: 1 GA 39/09). Das Gericht wertete eine ähnliche Klausel zur Trainingsverpflichtung des Spielers in der zweiten Mannschaft eines Zweitligavereins als unwirksam. Maßgeblich sei nach Auffassung der Münsteraner Richter, dass der Vertrag nur für die erste und zweite Liga gültig sei. Spiele die zweite Mannschaft unterhalb der ersten oder zweiten Liga, könne die Klausel über die Trainingsverpflichtung genutzt werden, um unliebsame Spieler abzuschieben. Das sei als unangemessene Benachteiligung für den Spieler zu werten. Deshalb kippte das Gericht das Weisungsrecht des Vereins.

Die Berliner Entscheidung erging in einem vorläufigen Verfahren. Ob das Berliner Arbeitsgericht an seiner Auffassung festhält, ist offen. In der Güteverhandlung im Hauptsacheverfahren (Az.: 38 Ca 2167/14) konnten sich die Parteien nicht verständigen. Der nächste und vermutlich letzte Verhandlungstermin findet (nach der Weltmeisterschaft) am 17. Juli 2014 statt.

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