Anmerkung zum Alter des Kindes einer Bewerberin im Lebenslauf kostet 3.000,00 €

Eine unbedachte Anmerkung kann teuer werden! Das hat das Landesarbeitsgericht (LAG) Hamm in einem jüngst veröffentlichten Urteil vom 06.Juni 2013 entschieden und der Klägerin eine Entschädigung i.H.v. 3.000,00 € zuerkannt (Az.: 11 Sa 335/13).

Die Klägerin hatte sich bei der Beklagten auf eine befristete Stelle in der Buchhaltung beworben. Die Beklagte teilte der Klägerin mit, dass sie sich für einen anderen Bewerber entscheiden habe und schickte die Bewerbungsunterlagen zurück. Auf dem zurückgesandten Lebenslauf fand die Klägerin neben der von ihr verfassten Textzeile „Verheiratet, ein Kind“ den von der Beklagten handschriftlich angebrachten Vermerk vor:

„7 Jahre alt!“,

die so entstehende Wortfolge „ein Kind, 7 Jahre alt!“ war durchgängig unterstrichen.

Das LAG sah darin eine mittelbare Benachteiligung der Klägerin wegen des Geschlechts. Danach verweise die Anmerkung „ein Kind, 7 Jahre alt“. auf mögliche Probleme bei der Betreuung eines Kindes im Grundschulalter und damit die Frage der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Davon seien in der gesellschaftlichen Realität der Bundesrepublik ganz vorrangig Frauen betroffen. Denn die Kinderbetreuung werde nach wie vor überwiegend als Aufgabe der Frau angesehen und vorrangig von Frauen wahrgenommen.

Die handschriftliche Ergänzung und Unterstreichung der Wortfolge „ein Kind, 7 Jahre alt!“ in den Bewerbungsunterlagen der Klägerin genügte auch, um eine Benachteiligung wegen des Geschlechts vermuten zu lassen. Die Beklagte hat diese Vermutung nicht widerlegen können. Insbesondere war es nach Auffassung der Richter nicht ausreichend, auf die Einstellung eines besser qualifizierten Bewerbers zu verweisen. Denn dadurch werde nicht nachgewiesen, dass das pönalisierte Merkmal bei der Entscheidung überhaupt keine Rolle gespielt habe. Der Nachweis müsse vielmehr so geführt werden, dass der Einfluss unzulässiger Kriterien positiv ausgeschlossen werden könne.

Diese Entscheidung zeigt einmal mehr, dass das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz gerade für abgelehnte Bewerber ein scharfes Schwert sein kann. Was im Bewerbungsverfahren zu beachten ist, können Sie meinem „Merkblatt zum AGG: Was Unternehmen beachten sollten“ entnehmen, dass ich Ihnen auf Anfrage gerne zusende.

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